Werfen Sie einen Blick ins superschicke aptm


Berlins neueste Design Destination

Von Anna Carnick

Ein wichtiger Bestandteil von Berlins kultureller Identität ist es, sich immer wieder neu zu erfinden. Angetrieben von einer allgegenwärtigen, kreativen Aufgeschlossenheit, kombiniert mit—zumindest für den Moment—reichlich relativ bezahlbaren Immobilien, haben Berliner ein einzigartiges Talent dafür, Orte umzugestalten und sie so an neue Gegebenheiten anzupassen. Die Stadt hat beispielsweise gleich zwei unterschiedliche Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg aufzuweisen, die umgestaltet wurden, um nun Kunstsammlungen von Weltrang zu präsentieren. Der ehemalige Flughafen Tempelhof ist inzwischen ein riesiger, familienfreundlicher Park. Mit den Spree Studios ist direkt am Fluss eine neue Enklave für Künstler entstanden, die im Sommer außerdem ein beliebter Ort für Partys ist. Die Spree Studios befinden sich auf einem Gelände, das zunächst in den 30er und 40er Jahren als riesige öffentliche Badeanstalt diente, dann Mitte des Jahrhunderts DDR-Zolldienststelle und anschließend bis vor einigen Jahren verlassene Wildnis war. Berlins ikonische Club-Szene wurde in diesen Beispielen noch nicht einmal erwähnt, aber im Bezug darauf reicht es wohl zu sagen, dass auf diesem Gebiet Einfallsreichtum und Kreativität ein ganz neues Level erreicht haben.

Die aktuellste Manifestation von Berlins anhaltender Neuerfindung hat erst vor wenigen Wochen eröffnet. aptm—kurz für: „a place to meet“ —befindet sich in einem Backsteingebäude von 1905 im Wedding, in dem einst Postkutschen und in jüngerer Zeit Künstlerstudios beheimatet waren. aptm ist ein multidisziplinärer, multifunktioneller Ort, der wunderschön wie ein privates Zuhause eingerichtet ist—ein unglaublich stilvolles privates Zuhause natürlich. aptm bietet kommerziellen Kunden aus den Bereichen Mode, Kunst, Verlagswesen und Lebensmittel den passenden Ort für Fotoshootings, Unternehmensfeiern, Modeschauen, Trunk Shows, private Dinner und mehr. Obwohl es in Berlin schon einige solcher Orte gibt, hebt aptm sich definitiv durch eine neue Form von „Eleganz“ ab, indem es die herkömmliche minimalistische, weiß-auf-weiß Berlin-Ästhetik durch eine einzigartige vielseitige, wandelbare und prächtig dekorierte Atmosphäre ersetzt. Es ist ein dringend benötigter Farbtupfer in einer von neutralen Farben dominierten Landschaft. Das ganz Besondere ist, dass man, wenn einem eines von aptms aufregenden Objekten besonders gut gefällt, alles von den handgefertigten Teppichen auf dem Boden bis hin zu den Lampen an der Decke, auch kaufen kann. Wie der Gründer Chris Glass erklärt ist es „ein persönlicher Ort für intime Begegnungen, eine lebendige Designgalerie, ein sich ständig veränderndes Verkaufserlebnis und ein Ausstellungsort für Produkte.“

Glass, ein amerikanischer Weltenbummler und Expat, der seit 2009 Berlin zu seiner Basis gemacht hat, träumte viele Jahre von aptm. Er wollte einen Raum kreieren, den es so in Berlin noch nicht gab—und auch nirgendwo sonst auf der Welt. Vor allem aber wollte er einen inspirierenden Hintergrund schaffen, vor dem Menschen zusammen gebracht werden können. „Bei diesem Ort geht es darum, Dinge auszuprobieren, die die meisten Menschen nicht wagen würden,“ sagt er. „Größer zu leben. Und besser.“

aptms erste Einrichtung hat das passende Thema „Birth“ (Geburt) und die Räume werden von strahlendem Pink und warmen Hölzern durchflutet, in einer Mischung aus aktuellen Contemporary Objekten, sowohl klassischen als auch außergewöhnlichen Vintage Stücken und fast übertriebener Begrünung. Wohin man auch schaut, findet man kleine Schätze, wie zum Beispiel ein antikes Thonet Tagesbett aus Bugholz oder einen rosafarbenen marokkanischen Teppich, den Glass auf einem Markt in Marrakesch entdeckt hat. Erfreuen kann man kann sich außerdem an einem verführerischen italienischen Kleiderschrank von Rinaldo Scaioli und Eugenia Alberti Reggio für La Permanente, an metallischen Wandfliesen von Mambo Unlimited Ideas aus Lissabon, die auf wundervolle Weise eher an abstrakte Kunst als an funktionale Dekoration erinnern, an traumhaften Spiegeln von den Berliner Designerinnen Elisa Strozyk und Joa Herrenknecht und an einer atemberaubenden Chaise Longue aus geschnitztem Holz von dem zeitgenössischen italienischen Designer Stefano Marolla für Secondome. Es ist ein Fest für die Augen, das durch die unzähligen kleinen Juwelen, die das Team von aptm von ihren Reisen um die Welt mitgebracht hat, noch verstärkt wird. Sie drücken es so aus: „Stell dir vor: Ein bereister Freund mit ausgewähltem Geschmack gibt dir die Schlüssel zu seinem gut ausgestatteten Haus und sagt, du sollst dich wie Zuhause fühlen!“

Die Einrichtungen werden im Laufe des Jahres thematisch verändert und alles, vom Boden bis zur Decke, wird dabei jedes Mal erneuert. In den wenigen Wochen seit der Eröffnung hat aptm bereits private Dinner, Fotoshootings, Unternehmensfeiern, Modeschauen und Messen ausgerichtet. Zur Eröffnung hat Glass Objekte von einer Reihe an Luxusmarken wie Bocci, Casper, Gestalten, Ichendorf Milano, Jean Roger Paris, Mary Lennox, Norr11, Loewe, Luxor Style und Rosenthal und anderen ausgewählt. Pamono hat viele der Vintage und Contemporary Möbel, Beleuchtung und Accessoires gestellt und außerdem eine Eventreihe bei aptm entwickelt, welche die Designcommunity in Berlin (und darüber hinaus) unterstützen soll.

Wir haben uns vor kurzem morgens mit Glass zusammengesetzt, um darüber zu sprechen, was bei dem Projekt aptm im Mittelpunkt steht, was seine Motivationen und Inspirationen sind und was er sich für die Zukunft erhofft. 

Anna Carnick: Wie kam es zu dem Projekt aptm?

Chris Glass: Ich hatte schon immer das starke Bedürfnis, Menschen zusammen zu bringen und zwar, so weit wie möglich, in einer persönlichen Umgebung. Meine Mutter war eine wundervolle Gastgeberin und meine Geschwister und ich waren schon als Kinder daran beteiligt, zu Hause Gäste zu unterhalten. Die Sekunden bevor es an der Tür klingelte und die ersten Gäste kamen, waren für mich als Kind das Aufregendste, das ich mir vorstellen konnte. Gäste zu unterhalten war also seit ich mich erinnern kann ein Teil von mir.

Die Verkörperung dessen besteht aus Lagen von Design, Verkauf, Kunst, Essen etc. und hat sich in den letzten Jahren herauskristallisiert. Ich reise viel für die Arbeit und entdeckte dabei immer wieder Sachen, die ich mit anderen Menschen teilen wollte—alles von Essen über Gegenstände bis hin zu anderen Menschen. Und ich wollte, dass es persönlich ist. Ich wollte, dass es etwas ist, das mein Empfinden und meine Perspektive spiegelt. Und ich wollte, dass es wächst und sich ständig verändert, aber immer innerhalb der selben vier Wände. Fast wie eine lebendige Galerie.

 

aptm Gründer Chris Glass; Elisa Strozyks Overlap Spiegel mit Regal Fotos © Marco Lehmbeck für Pamono
AC:
 Was macht diesen Ort einzigartig?

CG: Es ist das einzige Konzept dieser Art von dem ich weiß— ein hybrides, flexibles Konzept, das einen Veranstaltungsraum, eine Verkaufsumgebung und eine Galerie umfasst.

Aber vor allem ist es persönlich. Es reflektiert mich als Person, das, was mich inspiriert, wohin ich reise, was ich unterhaltsam finde. Sobald man durch die Tür kommt fühlt man die Gegenwart einer Person und Persönlichkeit im Raum. Man kann sie riechen, sehen, hören und letztendlich schmecken. Und weil sich der Raum periodisch verändert, gibt es viele Überraschungen.

AC: Wie lange hast du von aptm geträumt?

CG: Ich habe in den späten 90ern in New York gelebt, zu der Zeit, als die Idee der Concept Stores aufkam. Mich hat die Vorstellung, dass ein Raum interdisziplinär, als eine Art Leinwand dienen konnte, sehr angezogen. Während ich reiste und an unterschiedlichen Orten lebte, habe ich immer nach solchen Orten gesucht. Und als sie immer seltener wurden, wuchs der Traum meinen eigenen Raum zu kreieren.

AC: Was hoffst du, nehmen die Besucher von diesem Ort mit? Gibt es bestimmte Gefühle, die du hervorrufen möchtest?

CG: Fantasie, Inspiration, Freude, Möglichkeiten, Erfahrung, Verbundenheit. Bei diesem Ort geht es darum, Dinge auszuprobieren, die die meisten Menschen nicht wagen würden. Größer zu leben. Und besser.

AC: Erzähl uns ein wenig von den Eröffnungsevents, die du für das nächste Jahr geplant hast.

Designerin Anna Diekmann erkundet aptm Foto © Marco Lehmbeck für Pamono CG: Ich möchte, dass die Leute aptm in einem Zusammenhang erleben, in dem sie es auch normalerweise tun würden—also bei Abendessen, Talks, Ausstellungen, Verkostungen, Fotoshootings und so weiter. Daher sind das die Veranstaltungen, die wir bislang geplant haben. Alle Events wurden um unterschiedliche Aspekte des Themas Geburt herum kuratiert—darunter auch unser Fireside Chat, die Diskussion, die wir mit Pamono über Zusammenarbeit im Design geführt haben.

AC: Erzähl uns bitte von der Inspirationsquelle für die erste Einrichtung zum Thema „Birth“.

CG: Birth zelebriert Kreation und Kreativität. Und da es unsere erste Einrichtung ist, ist es passend. Es geht darum, dass Dinge zusammen kommen und die Freude, die dadurch entsteht. Birth blickt auf den Frühlingsanfang, wenn sowohl in der Natur als auch in der Gesellschaft so viele Dinge lebendig werden. Die Einrichtung feiert das Feminine, das Maskuline und das Nicht-Definierte. Und sie ist etwas, das während ihrer Entstehung gewachsen ist. Anfangs war ich von der Farbe Pink inspiriert. Und daraus kam es dann zu einer Reihe von Objekten, die ich zeigen wollte, einer Reihe von Menschen und einer Reihe von Gesten, die ich in den Raum bringen wollte. Der Prozess war sehr so, wie ich mir eine Geburt vorstelle—der Schmerz, die Erwartung, die hormonelle und emotionale Achterbahn, die Unsicherheit, die ungebändigte Freude, die Leidenschaft, das Haareraufen, die Beschimpfungen, die Entbindung und [endlich] zu sehen, wie das Baby seine ersten Schritte macht.

AC: Du arbeitest mit einer Reihe von Luxusmarken zusammen. Gibt es etwas, was diese für dich verbindet?

CG: Von manchen der Marken bin ich schon lange Fan und andere habe ich erst während des Prozesses entdeckt. Was sie verbindet ist das Engagement, das alle dabei gezeigt haben, Teil von etwas Neuem und Anderem zu sein.

AC: Was ist für dich der wichtigste Aspekt dieses Projektes?

CG: Mich machen die Momente glücklich, in denen ich Leute dabei beobachte, wie sie auf ein Regal blicken und sich in den Geschichten, die dort erzählt werden, verlieren. Ich sehe ein Strahlen in ihren Augen während sich die unterschiedlichen Schichten entfalten und sich die geflüsterten Gesten lösen. Das ist eine Bestätigung. Ich glaube, ähnlich wie ein Künstler, der es dem Betrachter erlaubt, seine Arbeiten zu interpretieren und sich daran erfreut, zu beobachten, wie sie das Beabsichtigte und das Verborgene entdecken, mag ich es, die Betrachter zu betrachten. Und außerdem genieße ich den Ort. Ich genieße, was ich kreiert habe und da schließt sich für mich der Kreis, nämlich Herr meiner eigenen Kreativität und des damit verbundenen Prozesses zu sein.

AC: Wie definierst du Erfolg in Bezug auf das aptm Projekt?

CG: Natürlich gibt es einen finanziellen Faktor—ich muss dafür sorgen, dass das Licht an und die Miete bezahlt ist. Aber wenn es uns gelingt, unentdeckte Talente zu zeigen und Menschen die Gelegenheit zu geben, Erfahrungen zu machen, die sie vorher nicht kannten, dann wäre das ein Zeichen von Erfolg.

AC: Erzähl uns ein wenig über den Standort. Was sollten diejenigen, die den Wedding nicht kennen über die Nachbarschaft wissen? Und außerdem: Als jemand, der so viel reist wie du, hättest du das Projekt theoretisch an anderen Orten machen können. Warum hast du gerade in Berlin angefangen? Siehst du Verbindungen zwischen dem Geist der Stadt und dem Konzept von aptm?

CG: Der Wedding befindet sich im Nordwesten von Berlin—genau zwischen Mitte und dem Flughafen Tegel. Er ist zentral ohne der Mittelpunkt von allem zu sein.

Ich glaube, er ist vielleicht die letzte Bastion von Authentizität in Berlin. Er hat etwas sehr unprätentiöses und unnachgiebiges an sich. Er hat Herz. Wie das Kind in der Ecke des Klassenzimmers, von dem du nie erwartest, dass etwas aus ihm wird, bis es zum Weltpolitiker wird. Er ist irgendwie episch.

Ich wollte etwas Unerwartetes und Bescheidenes. Teil der Magie von aptm ist, dass man in diesem Industriehof ankommt, die Treppen hochgeht und sobald sich die Tür öffnet, an einen völlig anderen Ort befördert wird.

Berlin ist einer der letzten wenigen Orte weltweit, an denen Menschen experimentieren und entdecken können. Hier is es noch bezahlbar. Und diese besondere Stimmung macht Berlin zum Ziel für Menschen aus der ganzen Welt.

AC: Wo hoffst du, dass sich aptm in fünf oder zehn Jahren befindet?

CG: Ich würde mich sehr freuen, wenn aptm eine kuratierte Plattform werden würde—sowohl als Zial als auch im Bezug auf den Inhalt.

  • Text by

    • Anna Carnick

      Anna Carnick

      Als ehemalige Redakteurin bei Assouline, der Aperture Foundation, Graphis und Clear feiert Anna die großen Künstler. Ihre Artikel erschienen in mehreren angesehenen Kunst- und Kulturpublikationen und sie hat mehr als 20 Bücher herausgegeben. Sie ist die Autorin von Design Voices und Nendo: 10/10 und hat eine Leidenschaft für ein gutes Picknick.
  • Photos by

    • Marco Lehmbeck

      Marco Lehmbeck

      Aufgewachsen ist Marco zwischen Seen und Wäldern in der Nähe von Berlin. Er studiert Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus an der Universität Hildesheim sowie Fotografie in Berlin. Marco ist Organisationsmitglied des Immergut Musikfestivals für Indie- und Poprock, liebt Backpacking, Club Mate und Avocados. Und er trägt immer einen Hut.
  • German Translation by

    • Annika Hüttmann

      Annika Hüttmann

      Annika ist umgeben von skandinavischem Design zwischen Norddeutschland und Südschweden aufgewachsen. Für ihr Literaturstudium zog sie nach Berlin und entdeckte dort ihre Leidenschaft für deutsche Vasen aus den 1950ern-70ern, von denen sie inzwischen mehr als 70 Stück besitzt.

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