Das fröhliche Universum von Doug Johnston


Joy Division

Von Anna Carnick

Die Arbeiten von Doug Johnston sind fröhlich. Während der letzten Jahre hat das in Brooklyn ansässige Multitalent seine Zeit damit verbracht, Objekte aus Seil zu fertigen, die von Taschen und Körben bis hin zu weniger definierbaren Behältern reichen und alle eine unvergleichliche Lebensfreude ausstrahlen. Johnston beschreibt seinen einzigartigen mehrstufigen Herstellungsprozess, in dem er wickelt und vernäht, als „eine Mischung aus Töpfern und zusätzlichem Modellieren." Johnston arbeitet mit seinen Händen und einer industriellen Nähmaschine, um Baumwollkordeln in Behälter-ähnliche Formen zu bringen und sie dann mit buntem Polyestergarn zu vernähen und stickerei-artige Muster zu kreieren. Die Ergebnisse fühlen sich zugleich sehr zeitgemäß und nostalgisch an – oder wie Johnston es ausdrückt, gleichzeitig „vertraut und unbekannt.“

Mit seiner ruhigen Stimme erklärt der Musiker-Schrägstrich-Architekt-Schrägstrich-Künstler-und-Designer dass er die meiste Zeit seines Lebens damit verbracht hat zu versuchen „etwas zu finden, dass all meine [kreativen] Tätigkeiten in einer verrückten, hybriden Karriere vereint.“ In den letzten Jahren stellte er fest, dass jedes seiner kreativen Ventile lediglich eine weitere Art ist, um „die gleiche Sache zu erreichen, die gleichen Leidenschaften zu verfolgen.“ Vor ungefähr sieben Jahren eröffnete er gemeinsam mit seiner Frau und häufiger Kollaborationspartnerin, der Künstlerin Tomoe Matsuoka (welche er an der Fakultät für Architektur der Cranbrook Academy of Art kennenlernte) ein Geschäft in einem Studio in einer Lagerhalle in Kensington. Er brachte seine Unterfangen mit Seilarbeit auf den Markt und kann nun täglich mit vielen seiner Interessen experimentieren.

Bereits in jungen Jahren zeigte sich Johnstons kreatives Talent. Aufgewachsen in Tulsa – „Ich war Skateboarder und spielte in Punk Bands“ – erinnert er sich daran, wie seine Familie mehrere Roadtrips durch den Südwesten der USA machte, die sein Bild von der Welt stark beeinflussten. „Wir sahen die Ruinen uralter Höhlen und unglaubliche Canyons und Felsformationen. Ich war fasziniert davon, wie Menschen an diesen Orten lebten und eine Kultur aus den verfügbaren Materialien schufen.“ Auch einige Jahrzehnte später steht bei Johnston die Neugierde, Räume zu entwerfen und Materialien zu erforschen, im Vordergrund.

Wir haben Johnston getroffen, um über alles von dem Moment an dem er wusste, dass er etwas Kreatives machen wollte bis hin zu seinen Gedanken zu der weltweiten Craft-Bewegung - und so ziemlich alles dazwischen - zu sprechen.

 

Anna Carnick: An welchem Punkt in deinem Leben wurde dir klar, dass du einen kreativen Beruf ausüben möchtest? Gab es einen entscheidenden Moment?

Doug Johnston: Als ich noch sehr jung war, vielleicht vier oder fünf Jahre alt, fiel mir ein Haus in unserer Nachbarschaft auf, das etwas anders aussah als die restlichen Häuser. Ich fragte meine Mutter, warum es anders war und sie erklärte mir, dass Personen, die „Architekten“ genannt werden, entscheiden wie Häuser aussehen, wo sich die Wände befinden usw. Das war unglaublich für mich. Bis zu diesem Zeitpunkt war ich einfach davon ausgegangen, dass Häuser so sind wie Höhlen oder Bäume, einfach ein Teil der Natur. Der Gedanke, Räume erschaffen und verändern zu können, war wahnsinnig aufregend. Mir wurde klar, dass ich Architekt werden wollte.

Meine Mutter fand das niedlich, aber sie nahm es ernst. Sie brachte mir bei, wie man Grundrisse in Fachzeitschriften liest und wir schauten uns Häuser, die sich im Bau befanden, an. Ich erinnere mich außerdem, dass mein Vater irgendwann sagte, dass Architekten in der Lage sein müssen, dreidimensional zu denken. Ich fragte ihn, woher ich wissen könne, ob ich das kann und er sagte: „Stell dir eine Box mit Taschentüchern vor, die sich in der Luft dreht. Kannst du sie so drehen, dass du alle Seiten siehst?“ Das konnte ich und er sagte „Ja, dann wirst du es schaffen.“ Seitdem habe ich versucht, mein räumliches Denken zu trainieren und ich glaube, das ist wahrscheinlich einer der wichtigsten Aspekte meiner kreativen Bestreben.

AC: Nachdem du 2007 deinen Master in Cranbrook abgeschlossen hattest, bist du nach New York gezogen. Wo hast du gearbeitet bevor du 2011 dein eigenes Studio eröffnet hast?

DJ: Ungefähr zwei Jahre lang arbeitete ich an unterschiedlichen Projekten in einem kleinen Architekturbüro. Das war direkt vor der Rezession und ich glaube, keins der Projekte wurde jemals fertig gestellt. Wie die meisten Architekten zu dieser Zeit, verloren wir die meisten unserer Projekte als die Wirtschaft zusammenbrach, aber ich hatte das Glück, Arbeit in einer architektonischen Metallwerkstatt in Brooklyn zu finden. Dort arbeitete ich für ungefähr zweieinhalb Jahre und beschäftigte mich mit Fertigungszeichnungen, Projektkostenschätzungen, Design, Installationen, Veredelungen, viel Schleifen und Schmirgeln und etwas Schweißen und Bearbeitung. Die meisten Projekte waren maßgefertigte Treppen für Luxus-Wohnprojekte – verrückte geschwungene Treppen für die Wohnungen von Prominenten in Central Park West. Ich habe bei diesen Jobs unglaublich viel gelernt!

AC: Wie bist du von der Architektur zu Körben und zur Eröffnung deines eigenen Studios gekommen?

In Doug Johnstons Studio in Brooklyn Foto © Michael Popp Das war eine allmähliche Entwicklung meiner persönlichen Arbeiten, die in der Graduiertenschule anfing. Ich hatte mit meinem Klassenkameraden Yu-chih Hsiao an einer Serie aus dreidimensional gewobenen Pavillon-Räumen gearbeitet und dieser Prozess löste etwas in mir aus. Es war aufregend, so schnell, frei und improvisiert einen Raum formen zu können und mir gefiel die Vorstellung, ein flexibles, geradliniges Material in etwas Räumliches zu verwandeln, indem man es einfach mit sich selbst verbindet. Das war etwas, was ich wirklich weiter untersuchen wollte.

Als ich nach New York zog, hatte ich keinen Zugang zu großen Räumen, an denen ich diese Arbeiten hätte fortführen können, also machte ich kleinere Sachen wie  Zeichnungen und handgestrickte Stücke. Ich stellte außerdem meine eigenen Taschen her und liebte es, zu nähen. Als ich in einem Baumarkt etwas Baumwollseil sah, dachte ich, dass es toll wäre, daraus irgendwie eine Tasche zu machen. Nach einigen Experimenten gemeinsam mit meiner Frau, [der Künstlerin] Tomoe Matsuokadas Seil zu flechten, entdeckte ich die Wickelmethode und passte sie an meine eigenen Interessen und meine Ästhetik an. Ich machte viele kleine Schalen und Körbe und eine Tasche für Tomoe. Das war Anfang 2010.

Wenn ich nach sehr stressigen Arbeitstagen nach Hause kam, war das Nähen unglaublich therapeutisch. Freunde ermutigten mich, die Stücke zu verkaufen, aber ich war unzufrieden mit der Qualität und stellte daher weiter Stücke her und verbesserte meine Fähigkeiten und mein Verständnis für den Prozess. Ende 2011 kündigte ich meinen Job und investierte das bisschen Geld, das ich hatte, in einen Onlineshop mit meinen Lieblingsstücken. Ich dachte, dass ich vielleicht ein Teil pro Monat verkaufen würde und mir davon mehr Seil kaufen könnte, aber –dank Freunden und Familie, die die Nachricht verbreiteten – wurde mein Shop schnell von Design-Bloggern entdeckt. Im Februar 2012 wurde er zu meinem Vollzeitjob und innerhalb weniger Wochen gab es ungefähr 20 neue Händleranfragen. Das geschah alles sehr schnell und ehrlich gesagt, war ich darauf nicht vorbereitet. Ich musste viel darüber lernen an Händler zu verkaufen und kleine Objekte zu verkaufen, aber es hat mich überrascht wie sehr mir meine vorausgegangenen Arbeitserfahrungen dabei halfen, mein Studio in ein selbsttragendes kleines Unternehmen zu verwandeln.

AC: Deine Arbeiten erscheinen gleichzeitig klassisch und zeitgenössisch. Wie siehst du das Verhältnis deiner Arbeiten zu sowohl traditionellem Kunsthandwerk als auch aktuellen Ästhetiken und Verfahren?

DJ: Ich sehe mich nicht als Korbmacher, weil ich zugeben muss, dass ich sehr wenig über das traditionelle Handwerk des Korbmachers weiß. Ich betrachte meine Arbeit auf eine sehr allgemeine Weise, ich arbeite einfach mit Materialien und viele der Ergebnisse sind zufällig Körbe oder Korb-ähnliche Formen. Menschen stellen seit Tausenden von Jahren Gefäße in allen erdenklichen Formen und Größen und außerdem Seil und Stoffe her. Es ist ein fortlaufendes prähistorisches globales Projekt und ich habe mich entschieden, dazu beizutragen.

Ästhetisch gesehen, beruhen die Stücke stark auf modernem Design und moderner Architektur. Die Farbe in den meisten der Stücke kommt durch den Faden, der sie zusammenhält und ich entferne kleine Fehler oder Abweichungen in der Naht nicht. Auf diese Weise sind sie sowohl Dekoration und Struktur als auch ein Dokument der Entstehung des Stückes. Die formalen Überlegungen beruhen auf einer Denkweise, die wohl der von Noguchi, Hepworthoder Henry Moore entspricht, aber dies wird natürlich mit einigen postmodernen und zeitgenössischen Einflüssen und Tendenzen vermischt.

Ich stellte früh fest, dass meine Nähmaschine in diesem Prozess auf eine ähnliche Art arbeitete wie die meisten 3D-Drucker. Der stufenweise Prozess kann so ziemlich jede Form umsetzen, was eine spannende Art war, meine eigenen Vorstellungen von den Möglichkeiten der Wickelung zu erweitern. Als ich anfing meine Nähmaschine mehr wie einen 3D-Drucker zu verwenden, wurden die Formen, die ich herstellte, schnell komplexer und lebendiger. Trotzdem führen die Form der Maschine und die Grenzen des Materials zu Einschränkungen, die 3D-Drucker nicht haben. Es ist eine analoge Version des ‚Druckens’, die nicht so sehr auf Präzision fokussiert ist.

AC: Von außen betrachtet wirkt der Prozess sehr meditativ. Wie würdest du ihn beschreiben?

DJ: Ich finde ihn tatsächlich sehr meditativ. Während ich nähe, muss ich mich auf die Nadel, meine Finger, wie ich die Arbeit halte, das Geräusch und die Geschwindigkeit der Maschine, die Spannung des Fadens, die Qualität der Naht und mehr konzentrieren, weswegen man sich wirklich an einem mentalen Ort befinden muss, an dem man sich nicht von der Außenwelt stören lässt. Anfangs habe ich Musik gehört während ich gearbeitet habe, um Ablenkungen von außen noch stärker auszublenden, aber als ich besser im Prozess wurde, schweiften meine Gedanken auch dann ab, wenn die Musik an war. Inzwischen höre ich vor allem Podcasts und Audiobooks, was eine wunderbare Kombination mit dem Nähen ist. Einige Stücke, vor allem die größeren, sind körperlich sehr anstrengend, weswegen ich viele Pausen machen muss. Das bedeutet, dass meine Konzentration häufig unterbrochen wird, aber die Podcasts und Audiobooks helfen mir, bei der Sache zu bleiben.

AC: Deine Arbeiten sind – allgemein – sehr skulptural. Abgesehen davon sind einige Stücke sehr viel funktionaler als andere. Welche Rolle spielt Funktionalität in deiner Arbeit?

DJ: Nur wenige der Stücke, die ich mache, haben einen wirklich utilitaristischen Ansatz in ihrem Design. Das ist nur bei den Taschen und sehr kleinen Stücken wie den Stiftehaltern der Fall. Die anderen sind eher vage funktional – oder sie sind eine humorvolle Abwandlung utilitaristischer Stücke – aber ich sehe sie eigentlich als skulpturale Arbeiten. Die Körbe sind meiner Meinung nach grundsätzlich nützlich, da sie Behälter sind und Zuhause oder im Büro verwendet werden können. Ebenso sieht es bei den Gefäßen mit mehreren Fächern aus, aber bei ihnen braucht man wohl etwas mehr Kreativität, um sie zu nutzen.

 Ich glaube vieles von unserer Herangehensweise an Funktion und Nützlichkeit ist von meinem Hintergrund in der Architektur beeinflusst, wo es einen großen Druck gibt, Dinge ultra funktional und effizient zu machen, während sie gleichzeitig ästhetisch innovativ und attraktiv bleiben sollen. Mit Bezug auf diese Welt im Design macht es mir unglaublich viel Spaß und ist außerdem sehr befreiend, eine seltsame skulpturale Form zu nehmen und sie plötzlich „funktional zu machen“, indem man einen Tragegürtel oder Griffe hinzufügt.

Als ich anfing meine Nähmaschine mehr wie einen 3D-Drucker zu verwenden, wurden die Formen, die ich herstellte, schnell komplexer und lebendiger.

AC: Erzähl uns von deiner Auswahl an Materialien.

DJ: Alles Tauwerk, das wir benutzen, ist aus festem Geflecht und meistens zu 100% aus Baumwolle. Wir benutzen außerdem etwas Nylon und ab und zu benutze ich andere Arten von synthetischem Seil, wenn diese eine schöne Farbe oder ein schönes Muster haben. Fast alles wurde in den USA hergestellt. Ich mag vor allem die Struktur und Farbe von natürlicher Baumwolle und wenn diese zu einer Textilie zusammengenäht wird, dann fühlt sie sich toll an. Das Garn, das wir für die Körbe und kleinere skulpturale Stücke verwenden, ist gewöhnliches Universal-Nähgarn. Für die Taschen und größeren Stücke benutzen wir dickeres Garn mit hoher Abriebfestigkeit.

Ich mag Seil, weil es so gewöhnlich ist, aber gleichzeitig eine uralte menschliche Technik mit einer langen und interessanten Geschichte darstellt. Als ich auf der High School war, hatte ich Seilrollen in meinem Auto, „für alle Fälle“. Das gab mir das Gefühl, mein Leben sei aufregend und dass ich möglicherweise in irgendeine Notsituation geraten könnte, in der ich wie MacGyver das Seil verwenden würde, um in Sicherheit zu gelangen oder einen lebensrettenden Gegenstand zu erreichen. Nichts dergleichen ist je geschehen, aber ich liebe es, dass Seil dieses Potenzial hat.

AC: Deine Farbpalette ist sehr fröhlich aber trotzdem besonnen. Wie wählst du deine Farben aus?

DJ: Ursprünglich beruhten die Farben wirklich nur darauf, welche Garnfarben ich leicht in meiner Nachbarschaft finden konnte – dunkelblau, rot, schwarz, weiß, beige, grau, olivfarben, gelb – aber mir gefiel, dass es gewöhnliche Farben waren, die auf der Annahme von jemandem beruhten, was die nützlichsten Farben sind, um Kleidung zu reparieren oder um zuhause Nähprojekte umzusetzen. Es sind die Farben von Arbeitsbekleidung und hobbymäßigen Handwerksprojekten. Wir haben für mehr Variation einige Farben hinzugefügt, aber ich halte mich gerne an diese Grundfarben.

AC: Welches Gefühl hoffst du, rufen deine Arbeiten bei anderen hervor?

DJ: Abgesehen von Freude, weiß ich nicht, wie ich es beschreiben soll. Ich weiß, welches Gefühl sie mir geben, eine Art warmer Zufriedenheit, gepaart mit Neuartigkeit. Eine Balance aus vertraut und unbekannt.

AC: Du bezeichnest Performancekunst, Musik, Installationen und Fotografie als Bereiche, die dich sehr interessieren. Kannst du uns etwas mehr von deinen Erfahrungen in diesen Bereichen erzählen? Inwiefern beeinflussen diese anderen Leidenschaften deine aktuellen Arbeiten aus Seil?

DJ: Zusätzlich zu Architektur habe ich außerdem Kunst studiert (mein zweiter Abschluss im Grundstudium). Ich habe in unterschiedlichen Bands Musik gemacht und viel fotografiert. Nach Kunst und Design hat Musik wahrscheinlich den größten Platz in meinem Herzen. Ich habe über viele Jahre unglaublich viel Zeit damit verbracht, Musik zu machen. Ich bin hauptsächlich Schlagzeuger und das beste an der Musik ist es, gemeinsam mit anderen zu spielen. Das hat mir viel über das Zuhören und das sofortige und improvisierte Antworten auf eine Situation beigebracht. Das ist eine Fähigkeit, auf die ich mich in meinen Designarbeiten sehr fokussiert habe und ich arbeite immer daran, sie mir zu erhalten.

AC: Was denkst du über das aktuelle “Brooklyn Maker” Phänomen?

DJ: Es ist eindeutig ein reales Phänomen, aber ich denke, es ist schwer für mich da objektiv zu bleiben. Ich liebe es, andere Künstler und Designer kennen zu lernen und ihre Studios zu besuchen. Es kommen auch regelmäßig Leute, um sich unser Studio anzuschauen und es hilft dabei, hier eine tolle Community zu formen. Fast alle hier kennen sich gegenseitig und es gibt sehr viele Möglichkeiten für Designer/Schöpfer/Künstler, weswegen es ziemlich ideal ist – abgesehen von den sehr hohen Lebenshaltungskosten in Brooklyn.

Wir sind nicht wegen des ‚Maker Phänomens“ nach Brooklyn gezogen, wir lieben einfach den Bezirk und den Stadtteil Kensington. Viele Leute, die unser Studio besuchen, haben von dieser Nachbarschaft noch nie etwas gehört – die meisten Kreativstudios sind in Bushwick, Ridgewood, Greenpoint, Sunset Park oder in der Nähe der Navy Yard – in gewisser Weise fühlen wir uns also etwas entfernt von der Mehrheit der Künstler und Designer, die in Brooklyn arbeiten. Wegen der hohen Kosten haben wir uns nach anderen Städten umgeschaut, in denen wir leben und arbeiten könnten, aber es ist sehr schwer, die Kombination aus Community, Ressourcen, Möglichkeiten und Unterstützung zu übertreffen, die es hier gibt. Die Menge und Qualität kreativer Arbeiten hier ist unglaublich und spendet viel Energie.

AC: Auf globaler Ebene befinden wir uns mitten in einer großen Craft Bewegung. Was glaubst du ist es, das die Menschen an Handarbeit besonders bewegt? Und was denkst du über die Zukunft der Bewegung?

DJ: Es scheint, als ob die aktuelle Craft Bewegung im Design aus einer verloren gegangenen Verbindung mit den Dingen um uns herum entstanden ist. Ich denke, ganz grundlegend gibt es die Erkenntnis, dass Menschen Dinge herstellen, aber so viele von den Objekten in unserer Umgebung nicht so wirken als wären sie von Menschen gemacht. Dies wird häufig mit einer Unzufriedenheit mit Messenware in Verbindung gebracht, aber ich glaube ein weiterer Grund ist, dass es nicht genug Wissen zu modernen Materialien und Prozessen gibt und so viele Menschen in Berufen arbeiten, in denen keine Dinge hergestellt werden. Objekte, denen man ihre Konstruktion und menschliche Eigenschaften ansieht, da sie „Makel“ und Unebenheiten haben, machen es für die Menschen möglich, zu sehen, dass ein anderer Mensch an der Herstellung dieses Objekts beteiligt war. Vielleicht fühlen sich die Menschen dadurch weniger isoliert, vielleicht sind sie aber auch nur von den an der Herstellung beteiligten Fähigkeiten beeindruckt? Ich denke das ist bei jeder Person und jedem Objekt unterschiedlich.

Handarbeit ruft außerdem ein Gefühl von Nostalgie hervor, das erfunden sein kann oder mit einer Zeit verbunden, in der es angeblich besser war. Ich selber verspüre ebenfalls Nostalgie, aber ich stehe ihr ziemlich skeptisch gegenüber. Ich liebe Maschinen, Technologien und Erfindungen, die Zeit und Anstrengungen sparen. Sie können das Leben der Menschen so viel besser machen und Zugang zu Werkzeugen und Technologie bedeutet Zugang zu Macht. Es ist verführerisch, handgefertigte Gegenstände und alte Arten, Dinge zu machen zu romantisieren, aber wir befinden uns in einer Zeit und an einem Ort, wo das Leben sicherer und einfacher ist als jemals zuvor. Die Wahl zu haben, Objekte in Handarbeit herzustellen ist jetzt ein Luxus und ein Privileg in den USA und vielen westlichen Ländern. Ich versuche, das immer in Erinnerung zu behalten.

AC: Gibt es in nächster Zeit irgendwelche Ausstellungen oder Projekte, von denen wir wissen sollten?

DJ: Ich habe gerade eine dreimonatige Residenz im Bemis Center for Contemporary Art in Omaha abgeschlossen, die wirklich wundervoll war und es mir erlaubt hat, mit einigen neuen Ideen zu spielen und meine Arbeiten auf neue Arten zu betrachten. Momentan habe ich vier Stücke in einer spannenden Ausstellung im Cranbrook Art Museum in Bloomfield Hills, Michigan, die noch bis Januar 2018 läuft. Außerdem sind einige meiner Werke in einer großartigen Ausstellung namens Another Country in der 50/50 Gallery in Kansas City zu sehen. Im Dezember werde ich gemeinsam mit der Patrick Parrish Gallery einige Arbeiten bei Design Miami zeigen. Tomoe und ich planen außerdem eine Zusammenarbeit an tragbaren skulpturalen Taschen auszuweiten, die wir letztes Jahr gemacht haben.

AC: Was ist dein größtes kreatives oder berufliches Ziel für 2017?

DJ: Die Residenz im Bemis Center hat es für mich möglich gemacht, meine Arbeiten für neue Ideen und Formen zu öffenen und mein Ziel ist es jetzt, diese Impulse beizubehalten und meine Arbeit im Studio daran anzupassen, damit ich diese Ideen weiter erforschen kann, um herauszufinden, wohin sie mich führen.

Vielen Dank, Doug!

 

  • Text von

    • Anna Carnick

      Anna Carnick

      Als ehemalige Redakteurin bei Assouline, der Aperture Foundation, Graphis und Clear feiert Anna die großen Künstler. Ihre Artikel erschienen in mehreren angesehenen Kunst- und Kulturpublikationen und sie hat mehr als 20 Bücher herausgegeben. Sie ist die Autorin von Design Voices und Nendo: 10/10 und hat eine Leidenschaft für ein gutes Picknick.
  • Übersetzung von

    • Annika Hüttmann

      Annika Hüttmann

      Annika ist umgeben von skandinavischem Design zwischen Norddeutschland und Südschweden aufgewachsen. Für ihr Literaturstudium zog sie nach Berlin und entdeckte dort ihre Leidenschaft für deutsche Vasen aus den 1950ern-70ern, von denen sie inzwischen mehr als 70 Stück besitzt.

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