Eine neue Ausstellung rückt die innovativen Küchendesigns des Studios in den Mittelpunkt


Jetzt zu besichtigen: Chmara.Rosinke in Berlin

Von Anna Carnick

Diese Woche eröffnet das Berliner Kunstgewerbemuseum eine neue Ausstellung, die sich dem experimentellen Designstudio Chmara.Rosinke und dessen Faszination mit einem uns sehr vertrauten Raum widmet: der Küche. Im Laufe des letzten Jahrzehnts haben sich die Designer*innen in ihren Arbeiten oft mit Fragen auseinandergesetzt, in denen es um das “Was-wäre-wenn” von Esskulturen geht. Dabei blicken sie mit neuem Einfallsreichtum auf die Räumlichkeiten und Konventionen, die unsere Freude an Speisen und deren Zubereitung ausmachen. In sechs großen, unterschiedlichen Werken haben sie die Struktur, die Funktionalität und Ästhetik der Küche - dem physischen und symbolischen Herzstück des Kulinarischen - neu gedacht. Dadurch haben sie Gelegenheiten für uns geschaffen, um diesen bekannten Ort - mit all seinen Beziehungen zum Gaumen und zum Geselligen - in einem neuen Licht zu sehen. Diese neue Ausstellung führt sämtliche Küchendesigns des Studios zum ersten mal an einem Ort zusammen.

Time for Oneself, eine mobile Küche, die für Hermès entworfen wurde Foto mit freundlicher Genehmigung von Chmara.Rosinke Das Sortiment reicht von einer wunderschönen, handgefertigten Kleinküche, die auf dem Rücken getragen werden kann (ideal für Stadtmenschen, die sich dem Burnout entziehen und stattdessen auf dem Lande eine kleine Auszeit machen wollen) bis hin zu einer mobilen Küche und Essgruppe auf Rädern, mit denen man jederzeit alte oder noch unbekannte Freunde bei Tisch zusammenbringen kann. Dem Duo ist es damit gelungen, konzeptionelle Designs zu entwerfen, die Freude, Humor, Eleganz und sogar ein bisschen Romanze versprühen. Zeitgleich haben sie die Küche als Inspiration genommen, um sowohl große als auch kleine Fragen zu stellen: Was wäre wenn wir unsere Esskultur komplett überdenken? Was sind die tatsächlichen Barrieren zwischen den öffentlichen und den privaten Sphären? Wir erleichtern wir den Austausch und das Zusammenkommen von Menschen? Wie ernähren und erneuern wir unsere Seelen in diesem Zusammenhang? Und so weiter.

Die Kuratorin der Ausstellung, Claudia Banz, erklärt: “Ich bin zum ersten Mal auf die Arbeiten von Chmara.Rosinke bei der jährlichen Kunst- und Handwerksmesse in Hamburg vor ein paar Jahren gestoßen...Uns verband ein großes Interesse an dem vielschichtigen Thema Essen, welches die Arbeit von Chmara.Rosinke auf eine eigene und ganzheitliche Weise verkörpert. Diese Faszination überführen und interpretieren sie kontinuierlich in ihren äußerst unterschiedlich gestalteten Projekten. Daher kam die Idee für eine Ausstellung mit einem Fokus auf ihre Werke.”

Chmara.Rosinke bei der Arbeit Foto mit freundlicher Genehmigung der Designer*innen Sie fügt hinzu: “Chmara.Rosinke inspiriert mich insbesondere mit ihren konzeptionellen Ideen und deren entsprechende Umsetzung, welche zwischen Objekt, Innenräumen und Architektur anzusiedeln ist. Dadurch definieren sie, zum einen, eine neue Ästhetik des kosmopolitischen Großstadtlebens und, zum anderen, gehen sie auf die natürlichen Bedürfnisse der Menschen ein, die häufig Opfer der Rationalisierung des Designs in den letzten Jahrzehnten wurden. Dabei werden wichtige Facetten des Designs in den Vordergrund gerückt, wie z.B. die nachhaltige Produktion, ein gesellschaftliches Miteinander oder der Einsatz von technischer Expertise durch angemessene Kooperationen. Diese Gesichtspunkte werden mit einer leichten, fast schon poetischen Formsprache transportiert, was wiederum neue emotionale Werte hervorbringt und damit eine doppelte Nachhaltigkeit schafft.”

Ein Blick auf die Küchendesigns von Chmara.Rosinke der letzten Jahrzehnte Foto mit freundlicher Genehmigung von Chmara.Rosinke

Design Lab#3: Mobile Küchen von Chmara.Rosinke wird vom 6. Juni bis 21. Juli im Berliner Kunstgewerbemuseum ausgestellt. Klicken Sie hier für weitere Details.

  • Text von

    • Anna Carnick

      Anna Carnick

      Als ehemalige Redakteurin bei Assouline, der Aperture Foundation, Graphis und Clear feiert Anna die großen Künstler. Ihre Artikel erschienen in mehreren angesehenen Kunst- und Kulturpublikationen und sie hat mehr als 20 Bücher herausgegeben. Sie ist die Autorin von Design Voices und Nendo: 10/10 und hat eine Leidenschaft für ein gutes Picknick.
  • Übersetzung von

    • Ilias Ben Mna

      Ilias Ben Mna

      Ilias wuchs im Süden Deutschlands auf, aber mittlerweile ist er an vielen Orten daheim. Sein Fernweh brachte ihn nach North Carolina, wo er das College Basketball Team seiner Uni in Chapel Hill anfeuerte, nach Tunesien, wo er sich oftmals einen schwarzen Tee mit seinen Verwandten genehmigte und in die bildhübsche Stadt Vancouver in Kanada, wo er als Social Media Manager arbeitete. Momentan schreibt er eine Doktorarbeit zum Thema Film und zu seinen Hobbies gehören Gitarre spielen und die Berliner Comedy Clubs, die er unbeirrbar auf der Suche nach dem nächsten Lacher durchforstet.

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